Theorie
Scaling ist ein globales Naturphänomen und bedeutet logarithmische Skaleninvarianz. Bereits 1795 entdeckte Carl Friedrich Gauß die logarithmische Skaleninvarianz der Verteilung der Primzahlen unter den natürlichen Zahlen. 1967 / 68 entdeckten die Physiker Richard P. Feynman und James Bjorken das Phänomen der logarithmischen Skaleninvarianz (Scaling) in der Hochenergiephysik. 1967 konnte der russische Physiker Simon E. Shnoll prozessunabhängiges Scaling der Feinstruktur von Histogrammen physikalischer und chemischer Prozesse nachweisen, unter anderem im radioaktiven Zerfall.
In den 1950er Jahren zeigten Beno Gutenberg and Charles Richter, dass eine logarithmisch skaleninvariante Beziehung zwischen der Anzahl der Erdbeben in einem bestimmten Gebiet und über einen bestimmten Zeitraum und ihrer Energie (Magnitude) besteht.
1981 veröffentlichte Leonid L. Chislenko seine Arbeit zur logarithmischen Skaleninvarianz in den Häufigkeitsverteilungen der biologischen Arten in Abhängigkeit von den Körpergrößen und –massen der Organismen. 1984 konnte Knut Schmidt-Nielsen logarithmische Skaleninvarianz im Aufbau der Organismen und in Stoffwechselprozessen nachweisen. 1981 entdeckten Alexey Zhirmunsky und Viktor Kuzmin prozessunabhängige logarithmische Skaleninvarianz der Entwicklungsetappen in der Embryogenese, Morphogenese, Ontogenese und in der Erdgeschichte. Bereits im 19. Jahrhundert entdeckten Ernst Heinrich Weber und Gustav Theodor Fechner, dass die Stärke einer Sinnesempfindung proportional dem Logarithmus der Reizstärke ist.
Scaling ist eine grundlegende Eigenschaft fraktaler Strukturen und Prozesse. 1982 – 1989 erkannte Hartmut Müller Scaling auch als Entwicklungstendenz technischer Systeme und entwickelte die Grundlagen der Global Scaling Theorie. Für seine wissenschaftliche Leistung verlieh ihm die Interakademische Vereinigung in Moskau 2004 ihre höchste Auszeichnung, den Vernadski-Stern Ersten Grades. Die Global Scaling Theorie erklärt, warum Strukturen und Prozesse der Natur fraktal sind und worin die Ursache der logarithmischen Skaleninvarianz besteht.
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